Aktualisiert am 12. August 2026
Ein Herzgeräusch ist ein bei der Auskultation hörbares, abnormales Geräusch, das durch turbulenten Blutfluss im Herzen entsteht – bei Welpen ist es oft harmlos und verschwindet vor dem 4. bis 5. Lebensmonat; bei erwachsenen oder älteren Hunden weist es fast immer auf eine zugrunde liegende strukturelle Herzerkrankung hin und erfordert weitere Untersuchungen. Der Schweregrad des Geräuschs (1 bis 6) gibt einen ersten Hinweis, ersetzt aber niemals eine Echokardiographie zur Beurteilung des tatsächlichen Schweregrads. Im Folgenden erfahren Sie, wie ein Herzgeräusch je nach Alter Ihres Hundes einzuordnen ist, wann Sie sich Sorgen machen sollten und wie Sie einen bereits diagnostizierten Hund überwachen können.
Was ist ein Herzgeräusch beim Hund? #
Ein Herzgeräusch ist ein abnormales Geräusch, das mit dem Stethoskop zwischen oder während der normalen Herzschläge eines Hundes wahrgenommen wird und durch turbulenten Blutfluss entsteht – meist, weil sich eine Herzklappe nicht mehr vollständig schließt (sie “undicht” ist), oder weil eine Fehlbildung den Blutfluss im Herzen verändert. Es handelt sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein klinisches Zeichen, das auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt werden muss.
Die 6 Grade des Herzgeräuschs beim Hund (Levine-Skala) #
Tierärzte klassifizieren die Intensität eines Herzgeräuschs auf einer Skala von 1 bis 6, doch dieser Grad misst vor allem die Lautstärke des Geräuschs, nicht direkt den Schweregrad der zugrunde liegenden Erkrankung.
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Extrem leise, selbst mit dem Stethoskop kaum hörbar |
| 2 | Leise, aber deutlich, mit dem Stethoskop gut hörbar |
| 3 | Mittlere Intensität, an mehreren Stellen des Brustkorbs hörbar |
| 4 | Mittel bis laut, auf beiden Seiten des Brustkorbs hörbar |
| 5 | Sehr laut, hörbar selbst wenn das Stethoskop kaum aufgesetzt wird |
| 6 | Am intensivsten, teils sogar ohne Stethoskop mit der Hand am Brustkorb spürbar |
Ab Grad 3 – oder wenn das Geräusch durchgängig ist, rechts besser hörbar ist oder sich mit der Zeit verschlechtert – wird eine vollständige kardiologische Untersuchung (Echokardiographie) empfohlen. Der Grad allein reicht niemals aus, um den tatsächlichen Schweregrad einer Klappenerkrankung zu beurteilen.
Herzgeräusch beim Welpen oder beim erwachsenen Hund: zwei sehr unterschiedliche Situationen #
Die Ursache eines Herzgeräuschs hängt fast ausschließlich vom Alter des Hundes zum Zeitpunkt der Feststellung ab.
Bei Welpen ist ein leises Herzgeräusch oft ein “unschuldiges Geräusch”, das mit dem noch nicht vollständig ausgereiften Herz-Kreislauf-System zusammenhängt: Es verschwindet in der Regel vor dem 4. bis 5. Lebensmonat, ohne Folgen. Ein Geräusch, das über dieses Alter hinaus anhält, kann jedoch auf eine angeborene Fehlbildung hinweisen – am häufigsten den persistierenden Ductus arteriosus (PDA), der besonders Malteser, Zwergspitze, Pudel, Keeshonds, Bichons und Deutsche Schäferhunde betrifft.
Bei erwachsenen oder älteren Hunden weist ein Herzgeräusch fast immer auf eine erworbene strukturelle Herzerkrankung hin – meist die Mitralklappenerkrankung (MVD), bei der die Mitralklappe undicht ist, oder seltener eine dilatative Kardiomyopathie (DCM). Etwa 10 % aller Hunde und bis zu 75 % der Senior-Hunde weisen eine nachweisbare Form von Herzerkrankung auf – das zeigt, wie bedeutsam ein bei einer Routineuntersuchung festgestelltes Herzgeräusch bei einem älteren Hund sein kann.
Welche Rassen sind besonders anfällig? #
| Kontext | Am häufigsten betroffene Rassen |
|---|---|
| Unschuldiges Welpengeräusch | Alle Rassen, verschwindet meist vor dem 4.-5. Lebensmonat |
| Persistierender Ductus arteriosus (PDA) | Malteser, Zwergspitz, Pudel, Keeshond, Bichon, Deutscher Schäferhund |
| Mitralklappenerkrankung (erwachsen/senior) | Cavalier King Charles Spaniel, Boston Terrier, Chihuahua, Yorkshire Terrier, Dackel, Pudel |
| Dilatative Kardiomyopathie (erwachsen/senior) | Dobermann, Boxer, Deutsche Dogge, Golden Retriever |
Wann sollten Sie sich bei einem Herzgeräusch Ihres Hundes Sorgen machen? #
Ein Herzgeräusch erfordert eine ausführliche Untersuchung, sobald es über Grad 2 hinausgeht, durchgängig ist, rechts besser hörbar ist, bei einem Welpen über den 6. Lebensmonat hinaus anhält, oder mit einem weiteren Anzeichen einhergeht: Husten, Atemnot, ungewöhnliche Müdigkeit, Ohnmachtsanfälle. Umgekehrt wird ein leises Geräusch (Grad 1-2) bei einem Welpen unter 4-5 Monaten, ohne weitere Symptome, meist einfach beobachtet, ohne Dringlichkeit.
Diagnose: Welche Untersuchungen folgen nach der Feststellung eines Herzgeräuschs? #
Nach der Auskultation sind die häufigsten weiterführenden Untersuchungen:
- eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, zur Überprüfung der Herzgröße;
- eine Echokardiographie, die Referenzuntersuchung zur genauen Bestimmung der Ursache und des Stadiums des Geräuschs (siehe die ACVIM-Klassifikation A bis D);
- ein Elektrokardiogramm (EKG), bei Verdacht auf eine begleitende Rhythmusstörung;
- Blutuntersuchungen, teilweise einschließlich kardialer Biomarker.
Herzgeräusch und Herzinsuffizienz: Wie hängen sie zusammen? #
Ein Herzgeräusch ist keine Herzinsuffizienz, aber oft ihr erstes Warnsignal, manchmal Jahre vor dem Auftreten irgendeines Symptoms. In der ACVIM-Klassifikation entspricht ein Geräusch bei noch normal großem Herz dem Stadium B1; ein Geräusch in Verbindung mit einem vergrößerten Herz entspricht dem Stadium B2 – dem strategisch wichtigsten Stadium, da eine zu diesem Zeitpunkt begonnene Behandlung den Beginn der Herzinsuffizienz deutlich verzögert.
Wie überwacht man einen Hund mit Herzgeräusch im Alltag? #
Sobald ein Herzgeräusch festgestellt wurde, wird die häusliche Überwachung zu einer wertvollen Ergänzung zwischen den Tierarztbesuchen — insbesondere, um eine mögliche Entwicklung in Richtung Herzinsuffizienz zu erkennen, bevor sie symptomatisch wird.
Der Biotracker misst die Herz- und Atemfrequenz Ihres Hundes fortlaufend, mit einer im Rahmen der AI-COLLAR-Studie an 703 Hunden in 29 Ländern validierten Genauigkeit von 99,6 % beziehungsweise 98,6 % im Vergleich zu einem portablen EKG und manueller Zählung. Diese kontinuierliche Überwachung ersetzt weder die Auskultation noch die Echokardiographie – sie erkennt das Herzgeräusch selbst nicht –, ermöglicht es aber, die Parameter, die sich mit fortschreitender Erkrankung verändern, über die Zeit zu verfolgen und diese Daten über einen PDF-Bericht oder die Plattform Biotrack mit Ihrem Tierarzt zu teilen, die Alarme per KI nach ihrer Abweichung von den Referenzwerten Ihres Hundes sortiert.
Diese Forschungsprojekte zu digitalen kardialen Biomarkern beim Hund werden gemeinsam mit Fachtierärzten für Kardiologie entwickelt – das unterscheidet diesen Ansatz von einem einfachen Aktivitäts-Tracking-Gadget.
FAQ #
Ist ein Herzgeräusch beim Hund immer ernst? #
Nein. Bei Welpen ist ein leises Geräusch (Grad 1-2) oft unschuldig und verschwindet vor dem 4.-5. Lebensmonat. Bei erwachsenen oder älteren Hunden weist ein Geräusch in der Regel auf eine strukturelle Herzerkrankung hin, doch der tatsächliche Schweregrad hängt von der Ursache und dem Stadium ab – nicht nur von der Intensität – und sollte durch eine Echokardiographie beurteilt werden.
Zeigt der Grad des Herzgeräuschs den Schweregrad der Erkrankung an? #
Nicht direkt. Der Grad (1 bis 6) misst die Lautstärke des Geräuschs, nicht den Schweregrad der zugrunde liegenden Erkrankung. Ein leises Geräusch kann einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung entsprechen, und umgekehrt. Es ist ein Hinweis, der die Untersuchung lenkt, keine eigenständige Diagnose.
Was ist die häufigste Ursache für Herzgeräusche bei erwachsenen Hunden? #
Die degenerative Mitralklappenerkrankung, die vor allem kleine Rassen wie den Cavalier King Charles Spaniel, den Boston Terrier oder den Dackel ab etwa 6-7 Jahren betrifft. Sie ist für die überwiegende Mehrheit der bei erwachsenen und älteren Hunden festgestellten Herzgeräusche verantwortlich.
Mein Welpe hat ein Herzgeräusch – muss ich mir Sorgen machen? #
Nicht unbedingt. Ein leises Geräusch bei einem Welpen unter 4-5 Monaten, ohne weitere Symptome, ist oft ein unschuldiges Geräusch, das sich von selbst zurückbildet. Ein Geräusch, das über den 5.-6. Lebensmonat hinaus anhält oder lauter als Grad 2 ist, sollte jedoch tierärztlich abgeklärt werden, um eine angeborene Fehlbildung wie den persistierenden Ductus arteriosus auszuschließen.
Kann man ein Herzgeräusch zu Hause ohne Stethoskop überwachen? #
Teilweise ja: Das Geräusch selbst lässt sich ohne Stethoskop nicht hören, doch man kann zu Hause die Parameter verfolgen, die sich mit fortschreitender Erkrankung verändern – Herz- und Atemfrequenz in Ruhe, Ausdauer, Husten. Ein Gerät wie der Biotracker automatisiert diese Überwachung fortlaufend zwischen den Tierarztbesuchen.
Kann sich ein Herzgeräusch zu einer Herzinsuffizienz entwickeln? #
Ja – das ist der häufigste Verlauf einer unüberwachten Mitralklappenerkrankung: Das Geräusch markiert die präklinischen Stadien (B1, B2), bevor die eigentliche Herzinsuffizienz eintritt (Stadium C). Gerade in dieser stillen Phase macht eine regelmäßige Überwachung den größten Unterschied.
Ein Herzgeräusch sollte überwacht, nicht ignoriert werden #
Ein Herzgeräusch ist weder ein Grund für automatische Panik noch ein Detail, das man übergehen sollte: Es ist ein Signal, das je nach Alter des Hundes, der Intensität des Geräuschs und seiner Entwicklung über die Zeit beurteilt werden sollte. Zwischen regelmäßigen Tierarztbesuchen und einer kontinuierlichen Überwachung von Herz- und Atemfrequenz mit dem Biotracker geben Sie Ihrem Hund – und seinem Tierarzt – die besten Chancen, eine Veränderung zu erkennen, bevor sie symptomatisch wird.