Ein Hund aus dem Tierschutz in Spanien, ein Sommerurlaub in Italien, und Monate später ein Hund, der ohne erkennbaren Grund abnimmt und Fell verliert. Kann das Leishmaniose sein? Wie hätte sich Ihr Hund anstecken können? Und wie schützen Sie ihn?
Leishmaniose ist eine Parasitenerkrankung, die vor allem durch den Stich von Sandmücken übertragen wird. Sie entwickelt sich langsam, oft über Jahre. Typisch sind Gewichtsverlust, Müdigkeit und Hautveränderungen. In Deutschland betrifft sie vor allem Hunde aus Südeuropa und Hunde, die mit ihren Besitzern in den Süden reisen. Der Parasit verschwindet selten vollständig, doch die meisten behandelten Hunde erholen sich, und früh erkannt ist die Prognose gut.
Was ist Leishmaniose beim Hund? #
Auslöser ist ein mikroskopisch kleiner Parasit namens Leishmania infantum. Übertragen wird er von Sandmücken, nur 2 bis 3 Millimeter großen Insekten. Sie stechen vor allem in der Dämmerung und nachts und ruhen tagsüber an dunklen, geschützten Orten.
Im Körper nistet sich der Parasit in Zellen des Immunsystems ein. Er kann viele Organe befallen: Haut, Lymphknoten, Milz, Leber und vor allem die Nieren.
Wichtig zu wissen: Infiziert heißt nicht automatisch krank. Die Leitlinien der Expertengruppe LeishVet betonen, dass viele infizierte Hunde nie Symptome zeigen, während andere schwer erkranken. Entscheidend ist, wie das Immunsystem des einzelnen Hundes reagiert.
Wie groß ist das Risiko in Deutschland? #
Die Leishmaniose ist vor allem rund ums Mittelmeer verbreitet: Spanien, Portugal, Südfrankreich, Italien und Griechenland. In Deutschland ist sie bisher vor allem eine Reise- und Importkrankheit.
Das zeigt sich deutlich bei Hunden aus dem Ausland. Eine Übersichtsarbeit des Labors Laboklin fasst Untersuchungen zusammen, in denen rund 15 bis 25 % der importierten Hunde im PCR-Test positiv waren, gegenüber 2 bis 6 % der Hunde, die nur mit ihren Besitzern verreist waren.
Gleichzeitig verändert sich die Lage langsam. Forschende haben Sandmücken der Art Phlebotomus mascittii an zahlreichen Orten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefangen; ob diese Art den Parasiten übertragen kann, ist noch unklar. Laut Laboklin wurde vereinzelt auch die bekannte Überträgerart P. perniciosus bei Kaiserslautern nachgewiesen, und der Oberrheingraben gilt klimatisch bereits als geeignet.
In den Urlaubsländern dauert die Saison der Sandmücken laut den ESCCAP-Empfehlungen zu vektorübertragenen Krankheiten von April bis November. Planen Sie eine Reise in den Süden, gehört der Schutz vor Sandmücken in Ihre Urlaubsvorbereitung mit Hund, genauso wie Heimtierausweis und Impfungen.
Wie wird Leishmaniose übertragen? #
Eine weibliche Sandmücke nimmt den Parasiten beim Stich eines infizierten Hundes auf und gibt ihn beim nächsten Stich weiter. Der Hund ist das wichtigste Reservoir der Krankheit.
Daneben gibt es seltenere Wege: von der Mutter auf die Welpen während der Trächtigkeit, über Bluttransfusionen und beim Deckakt. Eine Rolle von Zecken und Flöhen wird diskutiert, ist aber nicht belegt.
Die Zeit zwischen Infektion und ersten Anzeichen ist ungewöhnlich lang: Die ESCCAP nennt eine Inkubationszeit von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Ein Hund, der im Sommer gestochen wurde, kann also erst im nächsten Jahr Symptome zeigen.
Welche Symptome zeigt ein Hund mit Leishmaniose? #
Die Symptome sind vielfältig und entwickeln sich schleichend. Laut LeishVet sind Hautveränderungen am häufigsten, oft ist aber auch der Allgemeinzustand betroffen. Auf diese Anzeichen sollten Sie achten:
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit;
- Schwäche und Muskelschwund;
- Haarausfall und schuppende Haut;
- geschwollene Lymphknoten;
- auffällig schnell wachsende Krallen;
- Nasenbluten;
- gerötete oder entzündete Augen (Lider, Bindehaut);
- vermehrtes Trinken und Urinieren.
Das letzte Anzeichen verdient besondere Aufmerksamkeit. LeishVet weist darauf hin, dass ein chronisches Nierenversagen die häufigste Todesursache bei Leishmaniose ist. Starker Durst kann bedeuten, dass die Nieren bereits betroffen sind.
Keines dieser Anzeichen ist für sich allein typisch. Erst die Kombination mit der Herkunft oder einer Reise in ein Risikogebiet lässt an Leishmaniose denken. Um Warnzeichen von Alltäglichem zu unterscheiden, behalten Sie die Symptome, die Sie beim Hund kennen sollten, im Blick.
Wie stellt der Tierarzt die Diagnose? #
Nach der Untersuchung folgen Bluttests. Laut ESCCAP Deutschland steht meist ein Antikörpertest am Anfang, bei positivem Ergebnis ergänzt durch eine PCR, die das Erbgut des Parasiten nachweist. Blutbild und Urinuntersuchung zeigen anschließend, wie es um die Nieren steht, und helfen, die Erkrankung in Stadien einzuteilen.
Haben Sie einen Hund aus dem Ausland adoptiert, sprechen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt darauf an. Wegen der langen Inkubationszeit kann ein einzelner negativer Test eine Infektion nicht sicher ausschließen.
Ist Leishmaniose behandelbar? #
Ja, auch wenn der Parasit selten vollständig verschwindet. Die Behandlung kombiniert meist ein Medikament gegen den Parasiten über einige Wochen mit Allopurinol über mehrere Monate. Welche Wirkstoffe und welche Dauer, entscheidet die Tierarztpraxis je nach Stadium und Nierenwerten.
Danach sind Kontrollen nötig, meist alle sechs bis zwölf Monate, denn Rückfälle sind möglich. Laut den LeishVet-Leitlinien erholen sich die meisten Hunde nach der Behandlung, und in frühen Stadien ist die Prognose gut; sind die Nieren betroffen, ist sie vorsichtig bis schlecht.
So schützen Sie Ihren Hund vor Sandmücken #
Der beste Schutz ist, Stiche zu vermeiden. ESCCAP Deutschland empfiehlt für Aufenthalte in Risikogebieten:
- ein Antiparasitikum mit abwehrender Wirkung gegen Sandmücken (imprägniertes Halsband oder Spot-on), mit der Tierarztpraxis ausgewählt;
- den Hund abends und nachts im Haus halten, wenn Sandmücken am aktivsten sind;
- feinmaschige Fliegengitter an Fenstern und Türen.
Nicht jedes Mittel gegen Flöhe und Zecken wirkt auch gegen Sandmücken. Ein durchgängiger Parasitenschutz bewahrt Ihren Hund zugleich vor Zecken, die die Babesiose beim Hund übertragen.
Gibt es eine Impfung gegen Leishmaniose? #
Ja. Laut der Impfstoffseite von LeishVet, Stand Februar 2026, ist LetiFend derzeit der einzige verfügbare Impfstoff in Europa: eine Injektion, danach eine jährliche Auffrischung, mit einer geschätzten Wirksamkeit von 72 % gegen die klinische Erkrankung. Er ist für Hunde ab sechs Monaten mit negativem Test gedacht. ESCCAP Deutschland rät, mindestens vier Wochen vor der Reise zu impfen. Die Impfung ergänzt den Mückenschutz, ersetzt ihn aber nicht.
Früher bemerken, wenn ein Hund abbaut #
Das Tückische an der Leishmaniose ist ihr Tempo. Ein paar hundert Gramm weniger, etwas weniger Lust auf den Spaziergang, längere Ruhephasen: Solche Veränderungen verteilen sich über Wochen und fallen im Alltag kaum auf.
Gerade weil die Krankheit so leise voranschreitet, hilft eine tägliche Gesundheitsbeobachtung, einen Trend zu erkennen. Der Biotracker von Invoxia wird dauerhaft getragen und erfasst Aktivität, Schlaf sowie Herz- und Atemfrequenz Ihres Hundes in Ruhe. Eine Aktivität, die Woche für Woche sinkt, oder ein Schlaf, der immer länger wird, sind Veränderungen, die Sie der Tierarztpraxis melden sollten, besonders bei einem Hund aus dem Süden.
Der Biotracker erkennt keine Leishmaniose und stellt keine Diagnose. Er gibt Ihnen klare Anhaltspunkte dafür, was für Ihren Hund normal ist, damit Sie früher zum Tierarzt gehen und genau beschreiben können, was Ihnen aufgefallen ist. Im Urlaub funktioniert sein GPS in mehr als 30 Ländern (nicht in Italien und Großbritannien), bei nur 37 g und bis zu 15 Tagen Akkulaufzeit. Mehr dazu, wie Sie die Gesundheit Ihres Hundes im Alltag überwachen.
💡 Gut zu wissen
In der App können Sie Ihre Tierarztpraxis einladen, die Daten Ihres Hundes zu verfolgen, mit Biotrack Vet. Bei einem Hund mit Leishmaniose sieht sie so, wie sich Aktivität und Ruhe zwischen zwei Kontrollen entwickelt haben.
FAQ — Leishmaniose beim Hund #
Ist Leishmaniose beim Hund für Menschen ansteckend? #
Leishmania infantum kann auch Menschen infizieren, die Übertragung erfolgt aber über den Stich der Sandmücke, nicht durch normalen Kontakt mit dem Hund. Wer seinen Hund vor Stichen schützt, begrenzt zugleich die Verbreitung des Parasiten.
Kann ein infizierter Hund andere Hunde anstecken? #
Nicht durch alltäglichen Kontakt. Eine direkte Übertragung ist bei Trächtigkeit, Deckakt oder Bluttransfusion möglich.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Leishmaniose? #
Sie hängt vom Stadium bei der Diagnose ab. In frühen Stadien, mit gesunden Nieren, ist die Prognose mit Behandlung und regelmäßigen Kontrollen gut. Sind die Nieren bereits geschädigt, ist sie vorsichtig bis schlecht.
Sollte ich einen Hund aus Spanien testen lassen? #
Ja, sprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis darüber. Weil die Inkubation Monate bis Jahre dauern kann, schließt ein negativer Test bei der Ankunft eine Infektion nicht aus.
Reicht ein Halsband zum Schutz aus? #
Ein geeignetes Halsband mit abwehrender Wirkung senkt das Risiko deutlich, wenn es rechtzeitig vor der Reise angelegt und fristgerecht erneuert wird. Am besten wirkt es zusammen mit den anderen Maßnahmen: Hund abends und nachts im Haus und, wenn die Tierarztpraxis es empfiehlt, die Impfung.
Zusammenfassung #
Leishmaniose ist eine Parasitenerkrankung, die vor allem von Sandmücken rund ums Mittelmeer übertragen wird, dort von April bis November. In Deutschland betrifft sie vor allem Hunde aus Südeuropa und Hunde, die mit in den Urlaub reisen. Sie entwickelt sich langsam und zeigt sich durch Gewichtsverlust, Müdigkeit, Hautveränderungen und später durch Nierenschäden. Den besten Schutz bieten ein Mittel gegen Sandmücken, ein Hund, der abends und nachts im Haus bleibt, und je nach Situation die Impfung. Im Zweifel, besonders nach einer Reise oder Adoption aus dem Ausland, gehen Sie zur Tierarztpraxis: Eine frühe Diagnose verbessert die Behandlung deutlich.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keinen Besuch in der Tierarztpraxis.