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Polizeihunde: Was ihr Herz erzählt

·7 min
Nachrichten Aktivität Gesundheit
Autor
Emma
Leiterin der Hunde-Community bei Invoxia

Ein Malinois wird niemals zeigen, dass er müde ist. Im Polizeidienst springt er ins Fahrzeug, nimmt die Fährte wieder auf und geht mit derselben Begeisterung in den Schutzdienst, selbst wenn er am Ende seiner Kräfte ist. Genau das macht seine Erschöpfung so schwer erkennbar und so wichtig zu überwachen.

Wie erkennt man also, dass ein Hund, der „nie genug bekommt", eine Pause braucht? Die junge Tierärztin Alice Ruellan hat die Antwort dort gesucht, wo sonst niemand hinschaut: im Herzen der Hunde, während sie schlafen. Ihre Doktorarbeit, durchgeführt mit den Hunden einer Diensthundeeinheit der französischen Gendarmerie und dem Biotracker, zeigt: Schon ein paar Herzschläge mehr pro Nacht können auf eine unzureichende Erholung hinweisen, bevor ein Leistungs- oder Motivationsabfall sichtbar wird.

Eine tierärztliche Doktorarbeit mitten in einer Diensthundeeinheit
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In Frankreich schließt jedes Tiermedizinstudium mit einer Forschungsarbeit ab, der tierärztlichen Doktorarbeit. Alice Ruellan hat dafür ein außergewöhnliches Umfeld gewählt: die Diensthundeeinheit der französischen Gendarmerie. Sie hat ihre Arbeit am 19. Dezember 2025 an der École nationale vétérinaire d’Alfort bei Paris verteidigt, betreut von Prof. Valérie Chetboul*, Kardiologin an derselben Hochschule. Inzwischen wurde ihre Arbeit auf der NUManima 2026, einer Fachmesse für vernetzte Tiergesundheit, mit dem Vet IN Tech-Preis ausgezeichnet.

Die Studie lief von 2023 bis 2025 in Partnerschaft mit Invoxia, das die Halsbänder und den Zugang zu den Daten bereitstellte. Konkret:

  • Zehn aktive Malinois im Alter von 5 bis 9 Jahren erhielten eine vollständige kardiologische Untersuchung (Anamnese, Herzauskultation und allgemeine klinische Untersuchung, Herzultraschall, Elektrokardiogramm).
  • Anschließend trugen sie den Biotracker mehrere Tage am Stück in ihrem echten Alltag: Training, Einsätze, Ruhephasen.
  • Ihre Daten wurden mit denen von Malinois aus Privathaltung und gesunden großen Hunden verglichen.

Warum das Herz in der Nacht beobachten?
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Tagsüber schwankt die Herzfrequenz eines Hundes ständig: Er spielt, rennt, bellt, freut sich auf den Spaziergang. Da lässt sich nichts Verlässliches ablesen. Nachts dagegen ist der Hund ruhig. Sein Herz schlägt langsamer und zeigt seine tatsächliche Verfassung, ähnlich wie unser Puls beim Aufwachen. Genau das misst der Biotracker: Jede Nacht erfasst er die Herz- und Atemfrequenz des Hundes in Ruhe, ohne Elektroden, indem er die feinen Vibrationen des Herzens durch den Körper aufnimmt. Tag für Tag ermittelt er so den individuellen Normalwert jedes Hundes.

Das Herz eines Sportlers
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Erste Erkenntnis: Diese Gendarmerie-Hunde haben echte Sportlerherzen. Im Schlaf schlug ihr Herz im Median rund 59-mal pro Minute. Das ist deutlich langsamer als beim Tierarzt, wo der Stress der Untersuchung das Herz beschleunigt. Bei 7 von 10 Hunden zeigte das EKG außerdem eine leicht verlangsamte elektrische Reizleitung des Herzens. Kein Grund zur Sorge: Das ist ein typisches Merkmal gut trainierter Sportler, das man auch bei menschlichen Athleten findet. Und anders als bei manchen menschlichen Athleten hatte sich ihr Herz durch das Training weder verdickt noch vergrößert.

Ein Herz ist kein Metronom
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Zweite, subtilere Erkenntnis. Ein gesundes Herz schlägt nicht völlig gleichmäßig: Der Abstand zwischen zwei Schlägen verändert sich ständig ein wenig. Das nennt man Herzfrequenzvariabilität (HRV). Je höher sie in Ruhe ist, desto leichter wechselt der Körper zwischen Belastung und Erholung. Sinkt sie, steht der Körper oft unter Druck: Müdigkeit, Stress, zu wenig Erholung. Die Hunde der Einheit hatten eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität als Malinois aus Privathaltung. Laut Alice Ruellan liegt das nicht am Training selbst, sondern eher an ihrem Alltag: Stress, häufig wechselnde Umgebungen, einsatzbedingt manchmal kurze Erholungszeiten und das Alter dieser Hunde, von denen die meisten am Ende ihrer Dienstzeit standen.

Überlastung erkennen: die Geschichte eines jungen Hundes
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Der aufschlussreichste Teil der Arbeit ist die Geschichte eines zweijährigen Holländischen Schäferhunds in Ausbildung. Nach mehreren Wochen Ausbildung (intensiveres Training mit vielen neuen Reizen) bemerkt sein Hundeführer Veränderungen: Der Hund beißt weniger entschlossen zu, ist weniger ausdrucksstark, frisst schlechter und ist in seiner Transportbox ungewöhnlich ruhig. Bei der klinischen Untersuchung und im Blutbild wirkt er dennoch fit.

Das Halsband dagegen hatte etwas bemerkt. In den Wochen, in denen es dem Hund gut ging, lag seine Herzfrequenz nachts im Schnitt bei etwa 65 Schlägen pro Minute. In der Erschöpfungsphase stieg sie auf etwa 75, also rund zehn Schläge mehr, jede Nacht.

Nächtliche Herzfrequenz eines Malinois, täglich gemessen mit dem Invoxia Biotracker

Jeder Punkt steht für eine Nacht: Die Ruheherzfrequenz steigt, sobald Anzeichen von Erschöpfung auftreten. Quelle: Ruellan A. (2025). Étude pilote du Biotracker GPS Invoxia® chez le chien athlète d’unité d’élite (Pilotstudie zum Invoxia GPS Biotracker bei Sporthunden einer Spezialeinheit), tierärztliche Doktorarbeit, Medizinische Fakultät Créteil (UPEC), Abbildung 30, S. 82. HAL dumas-05507594, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0, Abdruck mit Genehmigung der Autorin.

Interessant: Seine Atemfrequenz blieb nahezu unverändert. Es war tatsächlich das Herz, das Alarm schlug.

Ruheherzfrequenz und Ruheatemfrequenz Woche für Woche

Woche für Woche: In der Erschöpfungsphase steigt die Herzfrequenz in Ruhe, während die Atmung stabil bleibt. Quelle: Ruellan A. (2025), tierärztliche Doktorarbeit, Medizinische Fakultät Créteil (UPEC), Abbildung 31, S. 82. HAL dumas-05507594, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0, Abdruck mit Genehmigung der Autorin.

Auch seine Herzfrequenzvariabilität war gesunken. Das zeigt sich sehr deutlich im sogenannten Poincaré-Diagramm: Jeder Punkt vergleicht die Dauer eines Herzschlags mit der des nächsten. Ist das Herz entspannt und variiert frei, bilden die Punkte eine breite Wolke. Steht der Körper unter Druck, zieht sich die Wolke zusammen.

Poincaré-Diagramme einer Nacht im September und einer Nacht im Oktober

Links eine Nacht im September, in der es dem Hund gut geht; rechts eine Nacht im Oktober während der Erschöpfungsphase: Die Punktwolke zieht sich zusammen. Quelle: Ruellan A. (2025), tierärztliche Doktorarbeit, Medizinische Fakultät Créteil (UPEC), Abbildung 32, S. 83. HAL dumas-05507594, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0, Abdruck mit Genehmigung der Autorin.

Dieses Profil, ein schnelleres und weniger variables Herz in Ruhe, entspricht dem, was bei übertrainierten menschlichen Sportlern beschrieben wird. Der Hund bekam eine angepasste Futterration, eine bessere Flüssigkeitsversorgung nach der Belastung und echte Ruhephasen.

Was die Hundeführer über die tägliche Überwachung und den Biotracker denken
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Am Ende der Studie gaben neun Hundeführer der Einheit ihre Einschätzung ab. Acht von neun finden es sinnvoll, Herz und Atmung ihres Hundes zu überwachen. Alle möchten bei einem Herzrisiko gewarnt werden, acht von neun bei Übertraining. Wie einer von ihnen sagt, ist es schwer, das Training eines Hundes richtig zu dosieren, „denn der Malinois bekommt nie genug".

Sie haben das Halsband außerdem auf eine harte Probe gestellt und seine Grenzen im Einsatz aufgezeigt, insbesondere Befestigungen, die dem Schutzdienst nicht immer standhalten. Ihre Rückmeldungen helfen Invoxia heute, ein Halsband für Arbeitshunde zu entwickeln.

Und Ihr Hund?
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Ihr Hund ist vermutlich kein Polizeihund, aber sein Herz funktioniert genauso. Überlastung betrifft übrigens nicht nur Diensthunde: In den Umfragen für die Doktorarbeit gaben etwa 3 von 10 Haltern von Arbeits- oder Sporthunden (Canicross, Zughundesport …) an, bei ihrem Hund schon Anzeichen von Übertraining beobachtet zu haben.

Ein zu schneller Wiedereinstieg ins Training, eine stressige Phase, ein Umzug, eine Genesungszeit: In all diesen Situationen verrät das Herz in Ruhe viel darüber, wie gut sich Ihr Hund erholt. Der Biotracker erfasst jede Nacht seine Herz- und Atemfrequenz in Ruhe sowie seine Herzfrequenzvariabilität und zeigt Ihnen, wenn sich etwas im Vergleich zu seinen Gewohnheiten verändert. Das ist keine Diagnose, aber ein gutes Signal, um einen Gang zurückzuschalten, die Aktivitäten anzupassen oder mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt zu sprechen.

invoxia product

Häufige Fragen
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Wie hoch ist die normale Ruheherzfrequenz eines Hundes?
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Im Schlaf liegt sie deutlich niedriger als beim Tierarzt. In der Doktorarbeit betrug sie im Median etwa 53 Schläge pro Minute bei Malinois aus Privathaltung und 59 bei den Malinois der Diensthundeeinheit. Jeder Hund hat seinen eigenen Normalwert: Entscheidend ist die Veränderung im Vergleich zu seinen Gewohnheiten.

Was ist die Herzfrequenzvariabilität?
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Die Herzfrequenzvariabilität ist die kleine Schwankung der Zeitspanne zwischen zwei Herzschlägen. In Ruhe ist eine hohe Variabilität eher ein gutes Zeichen: Der Körper erholt sich gut. Ein anhaltender Rückgang kann auf Erschöpfung, Stress, fehlende Erholung oder eine Herzerkrankung hindeuten.

Woran erkenne ich, dass mein Hund zu erschöpft ist?
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Weniger Antrieb oder Leistung, schlechter Appetit, ein ungewöhnlich ruhiger Hund, mehr Schlafbedürfnis als sonst: Diese Anzeichen sollten Sie ernst nehmen. Auch ein Herz, das nachts mehrere Tage hintereinander schneller schlägt als gewohnt, kann eines sein. Im Zweifel wenden Sie sich an Ihre Tierarztpraxis.

Kann der Biotracker ein Gesundheitsproblem erkennen?
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Der Biotracker ist ein Monitoring-Tool: Er erkennt Veränderungen in den Ruhewerten Ihres Hundes, stellt aber keine Diagnose. Er hilft Ihnen einzuschätzen, wann Sie mit Ihrer Tierarztpraxis sprechen sollten, und kann dazu beitragen, bestimmte Erkrankungen zu erkennen, bevor sie wirklich ernst werden. Die Diagnose kann anschließend nur eine Tierärztin oder ein Tierarzt stellen.

Mehr erfahren
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Die vollständige Doktorarbeit von Alice Ruellan (auf Französisch) ist frei zugänglich im offenen Archiv HAL: Étude pilote du Biotracker GPS Invoxia® (outil biométrique connecté) chez le chien athlète d’unité d’élite : faisabilité et analyse des marqueurs digitaux cardiorespiratoires et actimétriques. Es handelt sich um eine Pilotstudie mit einer kleinen Zahl von Hunden: Ihre Ergebnisse eröffnen Ansätze, die weitere Studien bestätigen müssen.

*Prof. Valérie Chetboul hat auch die AI-Collar-Studie initiiert, die mit dem Biotracker an mehr als 700 Hunden weltweit durchgeführt wurde und die Normwerte der Ruheherzfrequenz bei Hunden neu definiert.

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